ViaRhôna Camargue, Tag 5: Durch die Camargue nach Saintes-Maries-de-la-Mer

Sonntag, 28. Juni 2026. Rhône-Radweg 2026 – 4. Etappe: von Mornas nach Tarascon – Papstpalast Avignon, große Hilfsbereitschaft und das Fest der Tarasque


ViaRhôna Tag 5 – Durch die Camargue bis ans Mittelmeer

Nach vier abwechslungsreichen Etappen wartete heute ein landschaftlicher Höhepunkt unserer ViaRhôna-Radtour auf uns: die Camargue. Von Tarascon aus führte unsere Route durch eines der faszinierendsten Naturgebiete Frankreichs bis an das Mittelmeer nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Es sollte ein Tag voller beeindruckender Naturerlebnisse werden – allerdings auch einer der heißesten unserer gesamten Reise.

Anders als an den Vortagen ließen wir den Morgen etwas gemütlicher angehen. Nach einer längeren Nacht saßen wir erst gegen 9 Uhr auf unseren Rädern. Bei bereits 28 Grad stand zunächst allerdings nicht das Radfahren im Mittelpunkt, sondern die Suche nach einer Bäckerei. Ein französisches Frühstück musste schließlich sein. Ganz so einfach war das an diesem Morgen nicht, sodass wir erst gegen 9.30 Uhr fündig wurden.

Frisch gestärkt verließen wir Tarascon. Schon kurz hinter der Stadt begegnete uns der erste „Camargue-Stier“ des Tages – allerdings noch aus Stein. Die eindrucksvolle Skulptur erinnert an den legendären Stier „Le Clairon“, der in der Camargue bis heute als Symbol für Mut und Stärke gilt. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir allerdings noch nicht, dass wir im Laufe des Tages vielen seiner lebenden Artgenossen begegnen würden.

Mit jedem weiteren Kilometer veränderte sich die Landschaft. Die letzten Ausläufer der Rhône-Ebene mit ihren Feldern und Obstplantagen gingen langsam in die weite, offene Landschaft der Camargue über. Der Radweg führte nahezu eben durch Felder, Wiesen, Kanäle und ausgedehnte Feuchtgebiete. Die Szenerie wurde immer ursprünglicher und strahlte eine besondere Ruhe aus.

Abstecher nach Arles

Gegen 11 Uhr erreichten wir Arles. Die Stadt war für mich kein unbekanntes Pflaster. Während der Rhône-Flusskreuzfahrt im vergangenen Jahr mit meiner lieben Liebe hatten wir hier bereits einen ganzen Tag verbracht und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten ausführlich erkundet. Wer mehr über das geschichtsträchtige Arles erfahren möchte, findet den Reisebericht mit diesem Link.

Zunächst steuerten wir auf das heutige „Café Van Gogh“ zu, das durch Vincent van Goghs Gemälde „Caféterrasse am Abend“ (1888) weltberühmt wurde. Das Café liegt am Place du Forum, dem historischen Zentrum von Arles.

Wir wollten es uns nicht nehmen lassen, einige der berühmtesten Plätze von Arles zu besuchen. Auf dem Place de la République legten wir zunächst eine Pause ein. Rund um den markanten Obelisken erheben sich das historische Rathaus und die imposante Kathedrale Saint-Trophime – einer der schönsten Plätze der Stadt. Selbstverständlich fuhren wir auch zum Amphitheater von Arles.

Anschließend radelten wir hinaus zur berühmten Van-Gogh-Brücke. Hier entstand eines der bekanntesten Motive Vincent van Goghs, der 1888 und 1889 in Arles lebte. Das Gemälde zeigt Wäscherinnen, die damals an der Brücke ihre Wäsche spülten. Es war ein schöner Moment, diesen geschichtsträchtigen Ort zu erleben.

Willkommen in der Camargue

Gegen 12:15 Uhr ging es hinaus aus Arles. Zwischenzeitlich hatten wir 34 °C und auf den ersten paar Kilometern gab es sogar vereinzelt noch Schatten. Hinter Arles begann schließlich das eigentliche Abenteuer des Tages. Wir tauchten in den Regionalen Naturpark Camargue ein – eine Landschaft, wie wir sie zuvor noch nie erlebt hatten.

Mit jedem Kilometer wurde die Natur ursprünglicher. Schilfflächen, Kanäle, kleine Seen und Lagunen wechselten sich mit weiten Salzwiesen ab. Kaum ein Baum spendete Schatten. Die Sonne brannte inzwischen erbarmungslos vom Himmel, und das Thermometer kletterte unaufhaltsam auf 36 Grad.

Dafür wurden wir mit unvergesslichen Naturbeobachtungen belohnt. Schon kurz hinter Arles entdeckten wir die ersten echten schwarzen Camargue-Stiere. Kurz darauf standen sie auch da – die berühmten weißen Camargue-Pferde, die frei auf den Weiden grasten. Es war ein beeindruckender Anblick und genau das Bild, das man mit dieser einzigartigen Landschaft verbindet.

Während wir weiter Richtung Mittelmeer radelten, begegneten uns immer wieder Flamingos, Reiher und zahlreiche andere Wasservögel. Die offene Weite vermittelte ein unglaubliches Gefühl von Freiheit. Gleichzeitig verlangten uns die nahezu schattenlosen Wege und die enorme Hitze einiges ab. Deshalb legten wir regelmäßig Trinkpausen ein und füllten bei jeder sich bietenden Möglichkeit unsere Wasserflaschen wieder auf.

Dem Mittelmeer entgegen

Je näher wir Saintes-Maries-de-la-Mer kamen, desto deutlicher kündigte sich das Mittelmeer an. Die Luft wurde salziger, Möwen kreisten über uns und ein leichter Wind brachte nach den heißen Kilometern eine willkommene Abkühlung.

Die letzten Kilometer führten durch die typische Küstenlandschaft der Camargue. Weite Salzwiesen, Schilfgürtel und kleine Wasserflächen bestimmten das Bild. Immer wieder hielten wir kurz an, um diese einmalige Landschaft auf uns wirken zu lassen. Es war kaum vorstellbar, dass nur wenige Stunden zuvor noch die historischen Gassen von Tarascon und Arles hinter uns lagen.

Gegen 16 Uhr erreichten wir schließlich Saintes-Maries-de-la-Mer. Bereits kurz vor dem Ort öffnete sich der Blick auf das glitzernde Mittelmeer – einer dieser Momente, die jede Anstrengung sofort vergessen lassen. Nach über 76 Kilometern in brütender Hitze war das ein ganz besonderer Augenblick unserer ViaRhôna-Tour.

Bevor wir überhaupt an das Einchecken dachten, steuerten wir zielstrebig die Hotelterrasse an. Ein frisch gezapftes, eiskaltes großes Bier war jetzt genau das Richtige. Selten hat ein Getränk besser geschmeckt. Erst danach bezogen wir unser Zimmer und gönnten unseren Rädern und uns selbst eine wohlverdiente Pause.

Am frühen Abend zog es uns noch einmal hinaus. Direkt gegenüber unseres Hotels Le Dauphin Bleu lag der weitläufige Sandstrand. Während die Sonne langsam tiefer sank, spazierten wir am Mittelmeer entlang und genossen die entspannte Atmosphäre dieses kleinen Wallfahrts- und Badeortes.

ViaRhôna Camargue. Den gelungenen Abschluss des Tages bildete schließlich ein ausgezeichnetes Abendessen im Hotelrestaurant. Bei gutem Essen ließen wir die vielen Eindrücke noch einmal Revue passieren. Hinter uns lag eine der landschaftlich schönsten Etappen unserer gesamten ViaRhôna-Reise – eine Tour, die uns die Camargue von ihrer eindrucksvollsten Seite gezeigt hatte.


Wissenswertes

Die weißen Camargue-Pferde

Die Camargue-Pferde zählen zu den ältesten Pferderassen Europas. Geboren werden die Fohlen mit dunklem Fell, das sich im Laufe der Jahre nahezu vollständig weiß färbt. Die robusten Tiere sind hervorragend an die feuchten Wiesen und Salzwiesen der Camargue angepasst und werden bis heute von den Gardians, den traditionellen Viehhirten der Region, eingesetzt.

Die schwarzen Camargue-Stiere

Die Camargue-Stiere sind kleiner und wendiger als spanische Kampfstiere. Sie stehen im Mittelpunkt der traditionellen Course Camarguaise, bei der nicht der Stier, sondern die Geschicklichkeit der Teilnehmer im Vordergrund steht. Auf den weitläufigen Weiden der Camargue leben sie nahezu frei und prägen das Landschaftsbild seit Jahrhunderten.


ViaRhôna Tag 5 durch die Camargue zwischen Tarascon, Arles und Saintes-Maries-de-la-Mer

Fazit

ViaRhôna Camargue. Der fünfte Tag unserer ViaRhôna-Radtour war ein Tag der Kontraste. Historische Bauwerke in Arles, endlose Weiten in der Camargue, Flamingos, weiße Pferde, schwarze Stiere und schließlich das Mittelmeer – abwechslungsreicher hätte diese Etappe kaum sein können.

Auch wenn uns die Temperaturen von bis zu 36 Grad einiges abverlangten, wurden wir mit unvergesslichen Eindrücken belohnt. Die Camargue war für uns zweifellos einer der landschaftlichen Höhepunkte der gesamten Reise.


Dienstag, 30. Juni 2026. Rhône-Radweg 2026 – 6. Etappe: Von Saintes-Maries-de-la-Mer nach Montpellier – Flamingos, Mittelmeer und das Ziel erreicht

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