Rhône-Radweg 2026 – 4. Etappe: von Mornas nach Tarascon – Papstpalast Avignon, große Hilfsbereitschaft und das Fest der Tarasque
Mornas Tarascon. Nach drei heißen Tagen auf dem Rhône-Radweg stand heute die vierte Etappe auf dem Programm. Sie führte uns von Mornas nach Tarascon und sollte mit rund 81 Kilometern etwas kürzer ausfallen als die vorherigen. Trotzdem wartete wieder ein erlebnisreicher Tag auf uns.
Bereits um 7:20 Uhr saßen Erich und ich im Innenhof unseres Hotels beim Frühstück. Bis alle Packtaschen wieder an den Fahrrädern befestigt waren und wir die vielen Treppen hinuntergetragen hatten, war es kurz vor halb neun. Beim Losfahren warfen wir noch einen letzten Blick hinauf zur beeindruckenden Festung von Mornas.
Durch Weinberge und die Provence
Die vierte Etappe führte überwiegend flach durch das breite Rhône-Tal. Weinberge, Obstplantagen und weite Felder prägten das Landschaftsbild. Immer wieder verlief der Radweg in der Nähe der Rhône und wechselte zwischen schattigen Uferabschnitten und offenen Wegen durch die Landwirtschaft.
Bereits gegen 9:30 Uhr legten wir in Caderousse unsere nächste Trinkpause ein und füllten unsere Wasserflaschen auf. Das Thermometer zeigte zu diesem Zeitpunkt bereits 28 Grad – und wir wussten, dass es noch deutlich heißer werden würde.
Wiedersehen mit Avignon
Nach mehreren Trinkpausen verließen wir kurz die ViaRhôna und überquerten die Rhône nach Avignon. Nach rund 45 Kilometern empfing uns die mächtige Stadtmauer, bevor wir unsere Fahrräder direkt am Papstpalast abstellten. Avignon kannte ich bereits von unserer Rhône-Flusskreuzfahrt im vergangenen Jahr. Damals hatten wir die Stadt ausführlich besichtigt und ich habe darüber bereits einen eigenen Blogbeitrag geschrieben. Diesmal wollten wir uns auf den Papstpalast konzentrieren. Gegenüber des Palastes suchten wir uns zunächst ein schattiges Plätzchen im Café In & Off. Wasser, eine eiskalte Cola und ein leichtes Mittagessen waren bei inzwischen 35 Grad genau das Richtige.
Der Papstpalast kostete mehr Zeit als gedacht
Unser Plan war einfach: Einer passt auf die Fahrräder auf, während der andere den Papstpalast besichtigt. Also kaufte ich für 13 Euro eine Eintrittskarte, während Erich im Café blieb. Ich dachte, ich wäre nach wenigen Minuten wieder draußen, da ich im Eiltempo durchrennen wollte. Doch weit gefehlt.
Der Rundgang führte durch zahlreiche Säle und über unzählige Treppen, ohne dass es zwischendurch einen Ausgang gab. Nach knapp 40 Minuten stand ich endlich wieder vor dem Café. Nach einer kurzen Beratung verzichtete Erich auf die Besichtigung. Meine Fotos würden ihm vollkommen ausreichen. Hier einige Impressionen aus dem Papstpalast.
Bevor wir Avignon verließen, gönnten wir uns noch ein leckeres Eis und radelten anschließend zur berühmten Pont Saint-Bénézet – der Brücke aus dem weltbekannten Lied „Sur le pont d’Avignon“. Inzwischen zeigte das Thermometer bereits 37 Grad.
Eine besondere Begegnung, die wir nicht vergessen werden
Etwa 15 Kilometer hinter Avignon wollten wir in Aramon unsere Wasservorräte auffüllen. Die auf unserer Karte eingezeichnete Trinkwasserstelle existierte allerdings nicht. Es gab lediglich einen Brunnen mit dem Hinweis, dass das Wasser nicht trinkbar sei.
Erich kühlte sich kurzerhand mit dem Brunnenwasser über Helm und Kopf ab. Ich füllte einige Flaschen, allerdings nur zum Abkühlen von Kopf und Trikot. Plötzlich kam eine Frau aus einem geschlossenen Restaurant auf uns zugelaufen. Mit energischem „No, no, no!“ machte sie uns klar, dass dieses Wasser kein Trinkwasser sei. Dann geschah etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten.
Obwohl ihr Restaurant geschlossen war, bat uns die Dame hinein und füllte sämtliche Trinkflaschen mit frischem Trinkwasser auf. Diese selbstverständliche Hilfsbereitschaft hat uns tief beeindruckt. Die Restaurantchefin, Sonia vom Restaurant La Table de Sonia, rettete uns an diesem heißen Nachmittag praktisch die Weiterfahrt. Solche Begegnungen bleiben oft länger in Erinnerung als jede Sehenswürdigkeit.
Tarascon feiert
Die letzten 15 Kilometer verliefen problemlos. Gegen 17:30 Uhr erreichten wir nach 81 Kilometern unser Apartment in Tarascon. Auch hier hieß es wieder: Fahrräder abstellen und Gepäck über viele Treppen nach oben schleppen. Dafür erwartete uns eine angenehme Überraschung: Das Apartment verfügte über eine Waschmaschine. Nach vier heißen Radtagen war das fast schon Luxus.
An den Essensständen waren die Warteschlangen allerdings enorm. Deshalb wechselten wir in ein nahegelegenes Restaurant. Leider waren alle Speisen bereits ausverkauft. Am Ende mussten wir uns mit jeweils zwei kleinen Käsetellern begnügen. Ganz satt wurden wir zwar nicht, aber dafür hatten wir einen unterhaltsamen Abend erlebt. Gegen Mitternacht fielen wir schließlich ziemlich müde ins Bett.
Unser Fazit
Die vierte Etappe Mornas Tarascon bot eine gelungene Mischung aus entspanntem Radfahren, kulturellen Höhepunkten und besonderen Begegnungen. Avignon mit dem Papstpalast war zweifellos ein Höhepunkt. Noch mehr beeindruckte uns allerdings die spontane Hilfsbereitschaft der Restaurantchefin Sonia in Aramon. Genau solche Erlebnisse machen eine Radreise entlang der ViaRhôna unvergesslich.
Montag, 29. Juni 2026. ViaRhôna Tag 5 – Durch die Camargue bis ans Mittelmeer
Lieber Werner,
was für ein Erlebnis Du da schilderst, begeistert mich wieder auf’s Neue. Ich bin so gerne virtuell dabei und verfolge Euere *Abenteuer*. Es ist für mich zudem sehr lehrreich und ich komme mit Euch an Orte, die ich im realen Leben niemals sehen oder wiedersehen werde. Danke für diesen ausgezeichneten Blog eines tollen Menschen.
Liebe Corina,
vielen Dank, es freut mich, wenn ich dir damit eine Freude machen konnte. Bei Sonia, der Dame, die uns vor dem Verdursten rettete, 😉 bedankte ich mich auf Google Maps noch einmal mit einer 5-Sterne-Bewertung: ogy.de/v7ev
Viele liebe und 🙂 Grüße
Werner