Teneriffa oder Gran Canaria? Warum das Auge mitreist – und die Knie mitentscheiden

Teneriffa oder Gran Canaria – wo gefällt es euch besser?

Teneriffa oder Gran Canaria? Diese Frage stellte uns eine Bekannte vor ein paar Tagen. Eine einfache Frage, auf die es für uns inzwischen eigentlich eine ziemlich klare Antwort gibt. Wobei eines natürlich immer gilt: Schönheit liegt immer im Auge und vor allem im Gefühl des Betrachters.

Normalerweise wären wir in diesem Frühjahr wieder auf Teneriffa gewesen. Wegen geplanter Krankenhausaufenthalte hat das leider nicht geklappt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Im November/Dezember geht es zunächst für dreieinhalb Wochen nach Brasilien und direkt nach Weihnachten für weitere dreieinhalb Wochen nach Los Cristianos. Denn seit dem Ende unseres Arbeitslebens ist Teneriffa für uns eigentlich zur festen Winterheimat geworden.

Ein Versuch auf Gran Canaria

Die Kanareninsel Gran CanariaGanz früher haben wir auf Gran Canaria schon einige All-inclusive-Urlaube verbracht, unter anderem in Playa del Inglés. Inzwischen bevorzugen wir allerdings seit vielen Jahren gemütliche Apartments und vor allem Orte, an denen man nicht nur wohnt, sondern auch zu Fuß etwas unternehmen kann.

Gute Bekannte schwärmen uns schon seit Jahren von Maspalomas und der Apartmentanlage Dunasol vor. Immer wieder hörten wir, wie schön es dort sei.

Also dachten wir uns vor einigen Wochen: Warum eigentlich nicht einfach einmal selbst ausprobieren? Vielleicht wäre Gran Canaria ja tatsächlich eine schöne Alternative zu Teneriffa. Gesagt, getan. Wir buchten spontan zwei Wochen, vom 30. August bis zum 13. September 2026. Und damit begann unser persönlicher Inselvergleich.

Gran Canaria – eine Insel mit Geschichte und Charakter

Gran Canaria ist flächenmäßig die drittgrößte Insel der Kanaren – nach Teneriffa und Fuerteventura – und mit ihrer Einwohnerzahl die zweitgrößte des Archipels.

Auch geologisch ist die Insel ausgesprochen interessant. Ihre Entstehung reicht rund 15 Millionen Jahre zurück. Die sichtbare Insel entstand in mehreren großen vulkanischen Aktivitätsphasen, die von längeren Zeiten der Ruhe und Erosion unterbrochen wurden. Wind und Wasser haben über Millionen Jahre tiefe Schluchten, die typischen Barrancos, und ein ausgesprochen abwechslungsreiches Landschaftsbild geschaffen.

Wer Gran Canaria kennt, weiß, wie unterschiedlich die Insel sein kann: von den Stränden und Dünen im Süden über die dicht besiedelten Küstenorte bis hin zu den Bergen im Inselinneren. Der Roque Nublo (siehe Galeriefotos unten) ist dabei wohl eines der bekanntesten Wahrzeichen. Gran Canaria trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Miniaturkontinent“.

Auch die Geschichte der Menschen auf der Insel reicht weit zurück. Die ersten Bewohner lebten hier lange vor der europäischen Eroberung. Ende des 15. Jahrhunderts wurde Gran Canaria schließlich in das Herrschaftsgebiet der kastilischen Krone eingegliedert. Die Hauptstadt Las Palmas de Gran Canaria entwickelte sich danach zu einem wichtigen Handels- und Hafenplatz. Auch Christoph Kolumbus machte hier auf seinen Reisen über den Atlantik mehrfach Station.

Soweit zur Theorie. Jetzt aber zu dem, was für uns bei einem Urlaub viel wichtiger ist: Wie fühlt sich ein Ort an, wenn man dort tatsächlich zwei Wochen lebt?

Unser Eindruck: Apartment top, Umgebung eher nicht

Das Fazit vorweg: Die Anlage DUNASOL und unser Apartment waren wirklich klasse. Daran gibt es für uns überhaupt nichts auszusetzen. Die Unterkunft selbst hat uns sehr gut gefallen und wir haben uns dort wohlgefühlt. Aber bei der Umgebung mussten wir feststellen: Das ist leider nicht ganz unsere Welt.

Und genau hier beginnt der Unterschied zwischen einem schönen Urlaubsort und einem Ort, an dem man sich vorstellen könnte, mehrere Wochen oder vielleicht sogar regelmäßig den Winter zu verbringen.

Fehlende Promenaden-Kultur

Was uns besonders gefehlt hat, war eine richtige, flanierbare Strandpromenade. In Los Cristianos können wir stundenlang am Meer entlanglaufen. Man kommt an Cafés, Restaurants und kleinen Geschäften vorbei, setzt sich zwischendurch irgendwo hin, schaut aufs Meer und geht irgendwann einfach weiter. Genau dieses Gefühl lieben wir.

Gran Canaria: Fehlende Promenaden-Kultur
Vergleich der Strandpromenaden Gran Canaria – Teneriffa

In unserer Gegend auf Gran Canaria haben wir eine solche Promenadenkultur vermisst. Natürlich gibt es Strandbereiche und Gastronomie. Aber wenn man abends einfach am Meer sitzen, den Sonnenuntergang genießen und vielleicht einen Cocktail trinken möchte, landet man teilweise hinter Plastikscheiben – fast wie in einem Vorzelt. Das ist sicherlich Geschmackssache. Unser Geschmack ist es jedenfalls nicht.

Der Strand – schön, aber nicht ganz unser Terrain

Dazu kommt der Zugang zum Strand. Um von unserer Anlage hinunter zum Strand zu gelangen, geht es über zahlreiche Treppen. Was im Urlaub zunächst nach einer Kleinigkeit klingt, wird mit zunehmendem Alter durchaus zu einem Thema. Vor allem, wenn man später nach einem längeren Spaziergang wieder zurück muss. 

Mit Kniearthrose ist das schlicht mühsam. Und wenn aus einem gemütlichen Spaziergang plötzlich eine kleine sportliche Herausforderung wird, nimmt das irgendwann auch den Spaß daran. Man merkt eben: Die Knie reisen mit.

Strandpromenade Gran Canaria
Strandpromenade Gran Canaria

Gastronomie im Flur-Format

Auch bei der Gastronomie konnten wir uns nicht so richtig anfreunden. Unten reihen sich Restaurants und Shoppingmöglichkeiten dicht an dicht aneinander. Für uns wirkt das stellenweise fast wie ein langer Korridor. Was wir dagegen besonders mögen, sind kleine, gemütliche Lokale, in denen auch Einheimische sitzen und man nicht das Gefühl hat, ausschließlich in einer touristischen Umgebung zu sein.

Vielleicht haben wir diese Lokale einfach nicht entdeckt. Möglich ist das durchaus. Aber die Restaurants, die uns besonders gut gefallen hätten, lagen zumindest nicht so, dass wir sie bequem zu Fuß hätten erreichen können. Und genau das ist für uns inzwischen ein wichtiger Punkt.

Der Vergleich mit Los Cristianos

In Los Cristianos sieht das für uns ganz anders aus. Dort können wir stundenlang am Meer entlangschlendern, ohne dass wir uns überlegen müssen, wo der nächste Auf- oder Abstieg kommt. Je nach Lust und Laune geht es weiter in Richtung Costa Adeje.

Wir haben dort inzwischen zwei oder drei kleine Stammlokale abseits des ganz großen Massentourismus gefunden. Dort essen wir hervorragend, sitzen gemütlich und genießen genau das, was wir an Teneriffa so mögen. Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das den Unterschied ausmacht. Nicht unbedingt die schönere Landschaft. Nicht unbedingt der bessere Strand. Sondern das Gefühl, irgendwo richtig angekommen zu sein.

Und dann kam Faro de Maspalomas

Am zweitletzten Tag unseres Aufenthalts wollten wir uns noch einmal selbst ein Bild von einer anderen Ecke machen. Mit dem Bus fuhren wir in etwa 20 Minuten zum Faro de Maspalomas. Von Playa del Inglés aus sind es je nach Ausgangspunkt rund 8 Kilometer; mit der direkten Busverbindung dauert die Fahrt ungefähr 20 Minuten.

Und plötzlich war da dieses andere Gefühl. Die Gegend rund um den Faro de Maspalomas empfanden wir als deutlich flacher und viel stärker auf das Flanieren am Meer ausgerichtet. Hier gab es genau das, was uns zuvor gefehlt hatte: Promenadenfeeling. Wir konnten am Meer entlanggehen, uns umschauen und einfach die Atmosphäre genießen.

Und dann kam der Sonnenuntergang. In einem der vielen Strandrestaurants ließen wir den Abend bei einem Glas Wein ausklingen. Der Sonnenuntergang war beeindruckend, und auch das anschließende Abendessen hat uns sehr gut gefallen. Hier dachten wir tatsächlich: Das könnte etwas für uns sein. Vielleicht würden wir uns in dieser Gegend sogar einmal nach einem Apartment umsehen. Wer weiß?

Teneriffa oder Gran Canaria?

Wir haben den Test gewagt und Gran Canaria eine echte Chance gegeben. Und genau deshalb fällt unser Urteil auch nicht grundsätzlich gegen Gran Canaria aus. Die Insel ist wunderschön, landschaftlich ausgesprochen abwechslungsreich und hat zweifellos sehr viel zu bieten. Aber Urlaub ist eben etwas sehr Persönliches.

Was der eine liebt, empfindet der andere vielleicht als störend. Was für den einen eine perfekte touristische Infrastruktur ist, ist für den anderen bereits zu viel Trubel. Und was für den einen ein paar Treppen am Strand sind, kann für den anderen mit zunehmendem Alter durchaus entscheidend sein. Für uns zählen inzwischen andere Dinge als früher.

Wir möchten am Meer entlangschlendern können. Wir möchten irgendwo spontan einkehren. Wir möchten den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein genießen. Wir möchten nicht ständig darüber nachdenken müssen, wie wir später wieder irgendwo hinaufkommen. Und deshalb ist die Antwort auf die ursprüngliche Frage für uns ziemlich eindeutig:

Teneriffa oder Gran Canaria?

Für uns ganz klar: Teneriffa. Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt auf unsere dreieinhalb Wochen in Los Cristianos direkt nach Weihnachten. Denn manchmal braucht es gar keinen großen Vergleich. Man muss nur einmal ausprobieren, wo man sich wirklich zu Hause fühlt.

Fazit

Unabhängig von den geschilderten Unterschieden beider Lokalitäten, haben wir die zwei Wochen auf Gran Canaria trotzdem sehr genossen. Zum Schluss noch einige Impressionen unseres Aufenthalts. Übrigens gab es in unserer Apartmentanlage „Schattenplatz-Territorialismus: Wie zwei Liegen ein Stück Garten zum Privatbesitz machen.“ Deutscher Reservierungszwang! 🙁

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