Schattenplatz-Territorialismus. Unsere Apartmentanlage Dunasol in Maspalomas hat einen schönen Pool und eine gepflegte Gartenanlage, die von allen Gästen genutzt werden kann. Im Erdgeschoss stehen dafür Liegen zur Verfügung. Mit dem Apartment und der Anlage sind wir insgesamt sehr zufrieden.
Allerdings gibt es bei der Nutzung der Gartenanlage ein kleines Problem – oder besser gesagt: eine interessante Beobachtung menschlichen Verhaltens. Die Steinplatten und der Kunstrasen rund um den Pool heizen sich natürlich ziemlich auf und verstärken die ohnehin schon hohen Temperaturen. Die nicht gerade großen Sonnenschirme bieten zwar Schatten, müssen wegen der wandernden Sonne allerdings ständig umgestellt werden.
Gegenüber unseres Apartments steht in der Gartenanlage ein großer Seidenbaum. Unter seinem ausladenden Blätterdach entsteht am Nachmittag eine wunderbar schattige Insel im Rasen. Das haben auch schon mehrere Gäste entdeckt. Sie stellten ihre Liegen dort auf und nutzten den angenehmen Schatten.
Auch wir machten gestern davon Gebrauch und stellten unsere beiden Liegen unter den Baum. Die Apartmentgäste im Erdgeschoss hatten ihren Tisch ebenfalls auf den Rasen vor ihrer Terrasse gestellt. Als wir uns freundlich mit einem „Guten Tag“ bemerkbar machten, wurde dieser Gruß allerdings nur ziemlich verkniffen erwidert. Nach etwa zwei Stunden verabschiedeten wir uns wieder mit einem „Auf Wiedersehen“. Die Antwort darauf war ein sehr leise gegrummeltes „Wiedersehen“. Wir hatten jedenfalls den Eindruck, dass unsere Anwesenheit am Schattenplatz nicht unbedingt auf Begeisterung stieß.
Und heute Morgen war der Schattenplatz plötzlich reserviert
Heute Morgen schlief ich etwas länger. Als ich gegen 9 Uhr den Vorhang unserer Balkontür zurückzog und auf den Balkon trat, bot sich mir ein überraschendes Bild. Die beiden Apartmentgäste vom Vortag hatten den Schattenplatz bereits „gesichert“. Zwei Liegen und ein Tisch standen mitten auf dem Rasen unter dem Seidenbaum.

Während andere Gäste vermutlich noch frühstückten, hatte der Schattenplatz-Territorialismus längst begonnen: Zwei Liegen, ein Tisch – und schon war das begehrte Stück Rasen für den Tag strategisch gesichert. Ich musste dabei unwillkürlich an die berühmte Handtuch-Reservierung an Hotelpools oder auf Kreuzfahrtschiffen denken. Nur dass hier offenbar nicht einmal ein Handtuch notwendig war. Die komplette Ausstattung wurde einfach auf dem gewünschten Platz positioniert.
Reserviert – aber für wen?
Im Laufe des Vormittags beobachtete ich das Geschehen ein wenig. Das Interessante daran: Es geschah eigentlich gar nichts. Tisch und Liegen standen dort und schlummerten unbenutzt vor sich hin. Der Vorhang zur Terrassentür des Apartments war zugezogen. Vermutlich waren die Gäste zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht dort.
Auch jetzt, um 15 Uhr, während ich diesen Artikel schreibe, hat sich an der Situation nichts geändert. Der Schattenplatz ist besetzt. Die Liegen stehen dort. Der Tisch steht dort. Nur die Menschen, die den Platz für sich beanspruchen, sind nicht zu sehen. Und genau das ärgert mich.
Nicht, weil jemand diesen Schattenplatz nutzen möchte. Natürlich soll jeder Gast die Gartenanlage und die vorhandenen Liegen nutzen können. Auch wir haben uns dort schließlich einen schönen Nachmittag gemacht.
Ich hatte heute eine ganze Reihe privater Dinge zu erledigen, deshalb war ich den halben Tag im Apartment. Just als ich um 15:15 Uhr vom Balkon schaue, nehmen die Herrschaften ihren Platz auf Stuhl und Liege ein.

Was mich stört, ist der Anspruch, einen gemeinschaftlich nutzbaren Bereich bereits am frühen Morgen mit Tisch und Liegen zu besetzen und ihn damit für sich zu beanspruchen – unabhängig davon, ob man ihn tatsächlich nutzt. Das ist für mich keine normale Nutzung mehr, sondern eine Form von Rücksichtslosigkeit.
Wo hört persönliche Freiheit auf?
Natürlich kann man argumentieren: „Wer zuerst kommt, bekommt den besten Platz.“ Aber ist das wirklich das Prinzip, nach dem eine gemeinschaftlich genutzte Gartenanlage funktionieren sollte? Wenn jemand dort tatsächlich sitzt, liest, sich sonnt oder einfach den Schatten genießt, habe ich damit überhaupt kein Problem.
Aber einen Platz über Stunden mit zwei Liegen und einem Tisch zu blockieren, während man selbst möglicherweise gar nicht anwesend ist, empfinde ich als etwas anderes. Es geht dabei schließlich nicht um das Eigentum an diesem Stück Rasen. Es gehört niemandem persönlich. Der Platz steht allen Gästen zur Verfügung. Trotzdem wird durch das Aufstellen der eigenen Liegen und des eigenen Tisches offenbar ein virtueller Besitzanspruch geschaffen: Dieser Platz gehört jetzt uns.
Und genau darin sehe ich den eigentlichen Ärger. Vielleicht ist das nur eine Kleinigkeit. Vielleicht sollte man sich im Urlaub über so etwas gar nicht aufregen. Aber vielleicht sind es gerade diese kleinen Dinge, an denen sich zeigt, wie Menschen miteinander umgehen. Für mich jedenfalls ist es ein schönes Beispiel für eine Entwicklung, die mir zunehmend auffällt: Der eigene Vorteil wird wichtiger als die Rücksicht auf andere.
Und so wird aus einem schönen, schattigen Platz in einer gemeinschaftlichen Gartenanlage plötzlich ein kleines privates Hoheitsgebiet. Man reserviert einen gemeinschaftlichen Platz so früh, dass andere ihn nicht nutzen können – und nutzt ihn anschließend selbst über Stunden nicht. Zwei Liegen. Ein Tisch. Ein Stück Rasen. Und niemand darf es benutzen. Das nenne ich dann wohl Schattenplatz-Territorialismus.
PS: Bei den Bildern, auf denen die beiden Herrschaften skizziert sind, handelt es sich ausnahmslos um KI-generierte Bilder.