Radtour durch Hohenlohe: Ruhige Täler zwischen Ohrn, Brettach, Kocher und Jagst

7. Mai 2026. Radtour Bad Friedrichshall mit Peter Tag 1: Entlang von Kocher und Jagst


8. Mai, zweiter Tag: durch stille Täler, kleine Flüsse und das sanfte Hohenloher Land

Radtour durch Hohenlohe. Der zweite Tag unserer Radtour zeigte eine ganz andere Seite der Region. Während uns gestern vor allem die großen Flussachsen begleiteten, führte diese Runde deutlich abwechslungsreicher durch kleinere Täler, offene Hochflächen und ruhige Waldpassagen. Gerade dieses ständige Wechselspiel machte den besonderen Reiz der Strecke aus.

Schon früh am Morgen war klar, dass uns ideales Radwetter begleiten würde. Aus nebligen 6 °C am frühen Morgen wurden im Verlauf des Tages sonnige 15 °C. Kurz nach 9 Uhr starteten wir bei frischen, aber bereits sonnigen 11 °C an unserem Hotel in Bad Friedrichshall.

Bereits nach wenigen Kilometern legten wir an der Sebastianskirche einen kurzen Halt ein. Die Sebastianskirche in Kochendorf, heute ein Stadtteil von Bad Friedrichshall, geht in ihren Ursprüngen vermutlich bis ins Mittelalter zurück. Sie war ursprünglich eine katholische Kirche und dem heiligen Sebastian geweiht, der traditionell als Schutzpatron gegen Seuchen verehrt wurde. Im Zuge der Reformation wurde die Kirche evangelisch. Besonders markant ist ihr historischer Chorturm, der noch deutlich die mittelalterliche Bauweise erkennen lässt. Über viele Jahrhunderte prägte die Kirche das religiöse und kulturelle Leben des alten Kochendorfes.

Danach führte uns der Weg hinaus ins untere Kochertal. Immer wieder öffneten sich Blicke auf den ruhig fließenden Kocher, auf bewaldete Hänge und auf die sanft geschwungene Landschaft Hohenlohes. Von weitem grüßte Schloss Bürg über das Tal hinweg.

Typisch für diese Tour war das ständige Wechselspiel zwischen Tal und Hochfläche. Wir fuhren mehrfach leicht aus einem Tal hinaus, rollten wenig später wieder hinunter und erreichten so immer neue Landschaftsbilder. Die Anstiege blieben angenehm moderat, sorgten aber dafür, dass die Strecke nie eintönig wirkte.

Besonders das Ohrntal vermittelte ein Gefühl von Weite und Ruhe. Dort verliefen die Wege häufig etwas oberhalb des Flusses oder mit Abstand zum Wasser, wodurch sich immer wieder schöne Ausblicke über Wiesen, Felder und sanfte Hügel ergaben. Die Landschaft wirkte offen und harmonisch, fast schon beruhigend.

Radtour durch Hohenlohe. Im Brettachtal wurde die Strecke noch ruhiger und kleinteiliger. Hier stand weniger der Fluss selbst im Mittelpunkt, sondern vielmehr die stille Kulturlandschaft mit ihren Wiesen, einzelnen Baumgruppen und landwirtschaftlich geprägten Flächen. Über längere Abschnitte begegneten uns kaum Menschen oder Verkehr – genau diese stille Atmosphäre machte den besonderen Charakter dieser Etappe aus.

Gegen Mittag erreichten wir die historische Altstadt von Öhringen. Rund um die Stiftskirche St. Peter und Paul und das Schloss Öhringen spürt man noch heute die lange Geschichte der Stadt, deren Wurzeln bis in die Römerzeit zurückreichen. Bei angenehmen 15 °C und Sonnenschein nahmen wir uns Zeit für einen kleinen Rundgang.

Der historische Kern von Öhringen geht auf eine sehr frühe Siedlung zurück, deren Bedeutung bereits in römischer Zeit angelegt wurde: Hier verlief der obergermanisch-raetische Limes, was die Region strategisch wichtig machte. Im Mittelalter entwickelte sich daraus ein geistliches und später auch herrschaftliches Zentrum. Im Mittelpunkt steht die Stiftskirche St. Peter und Paul Öhringen, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert reichen. Sie war Teil eines Chorherrenstifts und prägte über Jahrhunderte das religiöse und kulturelle Leben der Stadt.

Direkt angrenzend entstand das Schloss Öhringen, das ab der frühen Neuzeit als Residenz der Fürsten zu Hohenlohe diente. Die enge räumliche Verbindung von Kirche und Schloss zeigt die typische Verknüpfung von geistlicher und weltlicher Macht.

Als gegen 13:30 Uhr der Hunger größer wurde, kam uns das Restaurant Wunderbar gerade recht. Ein alkoholfreies Bier und ein gutes Schnitzel mit Pommes und Soße – manchmal braucht es unterwegs gar nicht mehr. Danach führte uns die Strecke weiter zur historischen Brettacher Mühle und später zur Kirchenruine Helmbund. Beide Orte passen wunderbar in diese Landschaft, die vielerorts noch Spuren ihrer jahrhundertealten Geschichte erkennen lässt.

Die Brettacher Mühle entstand vermutlich im Mittelalter als klassische Wassermühle an der Brettach und nutzte die konstante Wasserführung des Flusses zur Energiegewinnung. Über Jahrhunderte diente sie vor allem als Getreidemühle für die umliegenden Orte und war ein wichtiger Bestandteil der lokalen Versorgung und Landwirtschaft. Im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verlor die Mühle mit der Industrialisierung zunehmend an Bedeutung. Das Gebäude blieb jedoch erhalten und steht heute sinnbildlich für die frühere Nutzung der Wasserkraft in der Region.

Weiter durch die sanft hügelige Landschaft erreichten wir die Kirchenruine Helmbund. Die Kirchenruine Helmbund geht auf eine Siedlung zurück, die vermutlich bereits im Hochmittelalter (ca. 11.–13. Jahrhundert) bestand. Die zugehörige Kirche war religiöses Zentrum dieses heute verschwundenen Ortes. Im Spätmittelalter wurde die Siedlung aufgegeben – Gründe waren wahrscheinlich wirtschaftliche Veränderungen, Seuchen oder die Verlagerung von Verkehrswegen. Solche „Wüstungen“ sind für die Region nicht ungewöhnlich. Erhalten blieben nur Teile der Kirche, die heute als Ruine sichtbar sind. Sie gilt als Zeugnis einer untergegangenen Siedlungsstruktur und veranschaulicht die mittelalterliche Besiedlungsgeschichte im Raum von Bad Friedrichshall.

Über Neckarsulm mit seinem historischen Rathaus und den Fachwerkhäusern am Marktplatz ging es schließlich zurück Richtung Bad Friedrichshall. In Kochendorf kamen wir noch am Tor von Schloss Lehen vorbei, bevor wir den Tag gemütlich im Reiterstüble ausklingen ließen. Ein Eisbecher im Laguna Eiscafé durfte danach natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Gegen 20 Uhr erreichten wir wieder unser Hotel. Der beeindruckende Sonnenuntergang über dem Neckartal bildete den stimmungsvollen Abschluss eines Tages, der weniger von spektakulären Höhepunkten lebte als vielmehr von der ruhigen, vielseitigen und ausgesprochen angenehmen Landschaft Hohenlohes.

Radtour durch das Ohrntal, Brettachtal sowie entlang von Kocher und Jagst bei Bad Friedrichshall in der Hohenloher Landschaft –
Sonnenuntergang am Hotel

Unsere heutige Fahrstrecke

Radtour durch das Ohrntal, Brettachtal sowie entlang von Kocher und Jagst bei Bad Friedrichshall in der Hohenloher Landschaft – heutige Fahrstzrecke

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