Radtour Bad Friedrichshall mit Peter Tag 1: Entlang von Kocher und Jagst

Planung und Ankündigung unserer Tour: Radtour Bad Friedrichshall: 4 Tage entlang von Kocher & Jagst


Je nachdem, auf welchem Wetterportal man nach der Wettervorhersage schaut, sind die Ergebnisse etwas unterschiedlich. gestern Nachmittag schaute ich mir die Vorhersage auf vier verschiedenen Portalen an. 

Wettervorhersage für unsere Radtour in Bad Friedrichshall

Jedenfalls konnten wir hoffen, dass das Wetter einigermaßen hinhaut und es nicht oder nur wenig regnet.


Bad Friedrichshall, Hohe Straße, Kocher- und Jagsttal: Kaltstart in eine besondere Tour

Schon am Vorabend kam Peter mit dem Rad zu mir gefahren. Gemeinsam montierten wir den Fahrradträger ans Auto und hievten unsere beiden E-Bikes darauf. Anschließend brachte ich Peter wieder zurück nach Karlsruhe.

Am nächsten Morgen war ich kurz nach acht Uhr bei Peter in Karlsruhe. Nachdem seine Siebensachen im Kofferraum verstaut waren, starteten wir gegen 8:20 Uhr Richtung Bad Friedrichshall. Die Fahrt dauerte knapp eine Stunde. Unser Ziel war das Hotel Sonne, das für die kommenden Tage unser Ausgangspunkt werden sollte. Eigentlich gingen wir davon aus, dass wir um diese Uhrzeit noch gar nicht einchecken könnten. Doch zuerst wollten wir ohnehin direkt zu unserer ersten Tour aufbrechen.

Als wir gegen 9:30 Uhr am Hotel ankamen, begann es ausgerechnet zu regnen. Im Frühstücksraum standen jedoch noch die Speisen bereit. Also beschlossen wir spontan, erst einmal gemütlich zu frühstücken. Danach konnten wir sogar bereits unsere Zimmer beziehen. Während wir unser Gepäck verstauten, die Räder abluden und alles vorbereiteten, verging noch etwas Zeit. Gegen 11 Uhr starteten wir schließlich zu unserer ersten gemeinsamen Tour.

Bad Friedrichshall – Stadt der Salzgeschichte

Die heutige Bad Friedrichshall entstand 1817 mit der Gründung der Saline „Friedrichshall“ durch König Friedrich I. von Württemberg. Die Salzgewinnung im Kochertal prägte die Entwicklung der Region über viele Jahrzehnte. 1933 wurden mehrere Orte – darunter Kochendorf, Jagstfeld und Hagenbach – zur heutigen Stadt zusammengeschlossen. Bis heute bestimmen die beiden Flüsse Kocher und Jagst sowie die jahrhundertelange Salztradition das Bild der Stadt.

Grau, kalt und unangenehm

Unterschätzt hatten wir allerdings das Wetter. Zwar nieselte es unterwegs nur gelegentlich leicht, doch bei gerade einmal 10 bis maximal 11 Grad fühlte sich die Tour deutlich kälter an. Besonders bei Abfahrten oder in den Waldpassagen kroch uns der eisige Fahrtwind regelrecht bis in die Knochen. Über der gesamten Landschaft lag ein gleichmäßiger grauer Himmel.

Wir fuhren entlang der sogenannten „Hohen Straße“ zwischen Kochertal und Jagsttal. Große Teile der Strecke folgen einem rund 3000 Jahre alten Handelsweg auf dem Höhenrücken zwischen beiden Flüssen. Schon nach den ersten Kilometern war klar: Das hier war keine spektakuläre Alpenkulisse, sondern eine ruhige, typisch süddeutsche Kulturlandschaft – geprägt von Weite, Feldern, Wäldern und sanften Übergängen zwischen den Tälern.

Friedhofskapelle Hagenbach

Bereits etwa zwanzig Minuten nach unserem Start erreichten wir die Friedhofskapelle Hagenbach. Die Kapelle im heutigen Stadtteil Hagenbach gilt als ältestes erhaltenes Bauwerk des Ortes und geht auf eine romanische Kirche aus dem Hochmittelalter zurück. Ursprünglich war sie die Pfarrkirche des Dorfes und dem heiligen Kilian geweiht. Besonders bemerkenswert sind die spätgotischen Wandmalereien im Inneren sowie die Empore aus dem Jahr 1611. Leider war die Kapelle verschlossen, sodass wir sie nur von außen besichtigen konnten.

Unterwegs zwischen Kocher und Jagst

Radtour Bad Friedrichshall. Zu Beginn folgten wir dem Kochertal. Der Weg verlief meist nah am Wasser oder leicht oberhalb davon. Breite Wiesenflächen prägten den Talgrund, während die Hänge teilweise bewaldet, teilweise landwirtschaftlich genutzt waren. Die Landschaft wirkte ruhig und offen, aber nie eintönig.

Unterwegs entdeckten wir einen Wegweiser zur historischen Altstadt von Möckmühl. Spontan entschieden wir uns für diesen zusätzlichen Abstecher. Die Strecke führte teilweise mit bis zu 14 Prozent Gefälle hinunter in die Stadt – was bedeutete, dass wir diese Steigung später auch wieder hinaufmussten. Der kalte Fahrtwind machte die Abfahrt alles andere als angenehm.

Von der Altstadt selbst konnten wir leider nur wenig genießen. Wir waren inzwischen völlig durchgefroren und suchten dringend ein warmes Restaurant. Zwei Gaststätten hatten geschlossen. Schließlich landeten wir eher zufällig beim „Golden Wok“. Unsere Hoffnung auf ein Essen im Warmen wurde allerdings doppelt enttäuscht: Im Restaurant war es fast genauso kalt wie draußen, und das Essen gehörte leider zu den schlechtesten asiatischen Mahlzeiten, die wir je erlebt hatten. Entsprechend frustriert und weiterhin durchgefroren kämpften wir uns anschließend die 14-prozentige Steigung und ca. 2,5 km zurück auf unsere ursprüngliche Route hinauf.

Wechsel ins Jagsttal

Mit dem Übergang ins Jagsttal änderte sich auch die Stimmung der Landschaft. Das Tal wirkte enger, ruhiger und etwas geschwungener. Die Jagst mäandrierte stärker als der Kocher, wodurch sich immer wieder neue Blickachsen entlang der Flusskurven ergaben. Die Wege blieben durchgehend angenehm zu fahren – meist asphaltiert oder fein geschottert.

Typisch für die gesamte Tour war der gleichmäßige Rhythmus: längere Abschnitte direkt am Fluss, kurze Übergänge über kleine Höhenrücken und danach wieder hinunter ins nächste Tal. Die Anstiege waren nie extrem, sorgten aber ständig für neue Landschaftseindrücke.

Aufwärmen in Neuenstadt

Am Nachmittag erreichten wir Neuenstadt am Kocher mit seiner historischen Altstadt. Die mittelalterlich angelegte Stadt besitzt bis heute einen weitgehend erhaltenen historischen Grundriss mit Fachwerkhäusern, Marktplatz und Resten der früheren Stadtbefestigung.

Gegen 16 Uhr war dringend eine Pause nötig. In der Bäckerei Reisebeck konnten wir endlich etwas Wärme tanken. Dazu gab es hervorragenden Kuchen, der uns nach den kalten Stunden unterwegs richtig guttat. Unsere Hände und Beine fühlten sich danach deutlich lebendiger an.

Die Orte entlang der Strecke gingen fast nahtlos ineinander über. Immer wieder rollten wir durch kleine Ortskerne, überquerten Brücken und befanden uns kurz darauf wieder mitten in der Landschaft.

Alte Hubschrauber und ein kalter Tourabschluss

Später kamen wir noch an der Meravo Luftreederei Fluggesellschaft GmbH vorbei, wo einige ältere Hubschrauber zu sehen waren. Auch das war ein unerwarteter kleiner Höhepunkt am Ende des Tages.

Radtour Bad Friedrichshall. Nach rund 62 Kilometern erreichten wir gegen 17:50 Uhr wieder unser Hotel. Inzwischen hatte es „warme“ 13 Grad erreicht. Trotz der Kälte erlebten wir eine sehr ausgewogene und abwechslungsreiche Tour. Die ständigen Wechsel zwischen Kocher- und Jagsttal machten die Strecke landschaftlich interessant, ohne jemals hektisch oder überladen zu wirken. Beide Flüsse blieben während der gesamten Tour die bestimmenden Begleiter.

Unsere heutige Strecke.

Radtour mit Peter, Strecke am ersten Tag

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