AfD-Argumente: Realitätscheck. Es ist immer wieder dasselbe faszinierende wie erschreckende Schauspiel. Man stellt Anhängern oder Verteidigern der AfD zwei vollkommen harmlose, präzise und persönliche Fragen. Keine Fangfragen, keine ideologischen Fallstricke. Einfach nur zwei Fragen nach der gelebten Realität:
„Wo geht es Ihnen persönlich momentan schlecht und wo würde es Ihnen persönlich konkret mit einer AfD-Regierung besser gehen? Jeweils ein einziges, greifbares Beispiel genügt.“
Man sollte meinen, wer mit so viel Inbrunst und Wut für eine politische Kehrtwende kämpft, hätte sofort eine messerscharfe Antwort parat. Doch weit gefehlt. Die Reaktion folgt einem starren, fast schon rituellen Muster: Es wird ausgewichen, geschwafelt, auf „die da oben“ geschimpft und das große populistische Narrativ ausgerollt. Eine konkrete Antwort auf meine Fragen habe ich noch nie erhalten. Stattdessen wird gepöbelt und beleidigt.
AfD Argumente Realitätscheck. Kürzlich hatte ich auf Facebook genau so einen Austausch, den ich dir hier ungekürzt zeigen möchte. Ein Paradebeispiel dafür, wie der Versuch eines sachlichen Dialogs an der Wand eingeübter Parteiparolen zerschellt. Nachstehend die Originaldiskussion, inklusive der Rechtschreibfehler.
Ein Unternehmer antwortet: Mir fallen da spontan gleich Gründe ein: Die sich laufend erhöhende CO2 Steuer kostet mein Geld, die zu hohe Energiesteuer kostet mein Geld, die exorbitant angestiegenen Energiekosten kosten mein Geld und ruinieren energieintensive Unternehmen, die sich laufend ehöhenden Sozialversicherungsbeiträge kosten mein Geld, die immer geringer werdenden Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung kosten mein Geld. Ich bin kein Rentner, deshalb betrifft mich die Rentensituation (noch) nicht. Die Abzocke unserer Raubritter-Regierung ist im Geldbeutel angekommen… Sollte die AfD in Regierungsverantwortung kommen, denke ich, daß sich mein Geldbeutel wieder etwas mehr füllen würde. Ihre Fragen im Text zum Post sind somit beantwortet.
Werner Deck: Vielen Dank für Ihre ausführliche Rückmeldung. Sie listen völlig legitime, klassische Unternehmer-Sorgen auf: Steuern, Energie- und Lohnnebenkosten. Ihre Antwort beschreibt allerdings, was Sie sich erhoffen – sie ist ein Wunschzettel, aber keine Antwort auf meine beiden konkreten Fragen.
AfD Argumente Realitätscheck. Der Glaube, dass sich unter einer AfD-Regierung Ihr Geldbeutel füllt, hält einem Blick auf die harten wirtschaftlichen Fakten und Berechnungen renommierter Institute leider nicht stand. Dazu drei konkrete Punkte:
– Die Finanzierungslücke: Das Steuermodell der AfD (wie die vorgeschlagene Flat-Tax oder das Streichen von Grund- und Erbschaftsteuer) würde laut Berechnungen des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gigantische Löcher von rund 50 bis über 100 Milliarden Euro in den Staatshaushalt reißen. Wo die AfD das einsparen will, sagt sie nicht. Ohne Gegenfinanzierung kollabieren die Infrastruktur und die staatlichen Leistungen, von denen auch Ihr Unternehmen profitiert.
– Das Paradoxon für den Mittelstand: Verbände wie „Die Familienunternehmer“ warnen explizit vor der AfD-Politik. Die geplante Abschaffung der Rente mit 63 will die AfD behalten, was den Fachkräftemangel massiv verschärft und die Sozialversicherungsbeiträge für Unternehmen drastisch nach oben treiben würde (Schätzungen gehen von bis zu 25 % aus). Das Gegenteil von Entlastung.
– Der Isolationskurs: Die von der AfD geforderte Abkehr von der EU und internationalen Handelsabkommen würde den Export- und Wirtschaftsstandort Deutschland und somit den industriellen Mittelstand massiv schädigen.
Ein reiner Hoffnungsglaube füllt keine Kassen. Deshalb noch einmal ganz konkret nachgefragt:
Wo geht es Ihnen ganz persönlich momentan schlecht (gemessen an Ihrer realen Lebenssituation, nicht an der allgemeinen Unzufriedenheit) und wo würde es Ihnen persönlich konkret (unter Berücksichtigung der realen Wirtschaftskonsequenzen) mit einer AfD-Regierung besser gehen? Ein einziges, greifbares Beispiel genügt mir völlig.
Ein Unternehmer antwortet: Nachdem die AfD bisher noch nicht in Regierungsverantwortung war, bleibt, sollte sie dorthin kommen, vorerst nichts anderes, als die Hofnung auf Änderung. Sie haben Recht, es geht uns allen noch gut. Nur wird das nicht so bleiben. Was mich persönlich jetzt und seit geraumer Zeit ärgert, ist die Erhebung der CO2 Steuer, die durch milliardenverschlingendene Bereiche des täglichen (wirtschaftlichen) Lebens geht. Mir wird sie auch abgeknöpft. Ich frage mich für was? Sie ist lediglich ein Mittel, noch mehr Steuern einzunehmen und verteuert das Leben Stück für Stück immer mehr. Für mich ist sie Betrug und Abzocke am Bürger. Und apropos Finanzierungslücke: Sie erwähnen mit keinem Wort die 11 jährigeAnwesenheit und weitere Zuwanderung von „Flüchtlingen“ und die Summen, die für deren Unterhalt aufgewendet werden, auch seit mehr als vier Jahren die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine und die finanzielle und materielle Unterstützung dieses milliardenverschlingenden Krieges und dortigen faschistischen und korrupten Regimes, was uns in keiner Weise tangieren sollte, weil unsere Freiheit dort nicht verteidigt wird. Sie haben auch nicht die ruinöse Eingliederung der gesamten Bürgergeldempfänger, in unsere Sozialsysteme, für die der Staat nur eine lächerliche Ausgleichssumme bezahlt und allein die gesetzlichen Krankenkassen ein Minus von 12 Milliarden aufweisen. Wer soll das wohl ausgleichen? Natürlich die treudeutschdoofen Beitragszahler durch massive Erhöhung ihrer Krankenversicherungsbeiträge, der Staat weigert sich, aus Steuermitteln das Minus auszugleichen. Er schiebt die Verantworung an die gesetzlich Versicherten ab, die steuerlich schon am Rande ihrer Belastbarkeit sind, und nun den Fehlbetrag mit ihren Beiträgen direkt ausgleichen sollen. Ich habe sicher einiges vergessen hier aufzuführen, aber unsere Kommentare sprengen bereits den hier üblichen Rahmen und ändern nichts an der Gesamtproblematik. Mein Resüme zu all den immer größer werdenden Problemen, der Abzocke am Bürger und den immer geringer werdenden Leistungen: Es muß sich was ändern und zwar schnell! Das ist nur mit einer neuen, unbelasteten, anderen Regierungsmannschaft zu schaffen. Diese Lügner, Steuergeldverschwender, am-Bürger-vorbei-Regierer und Kriegstreiber, die jetzt noch das Sagen haben, müssen zeitnah abgewählt werden. Ich war bisher noch kein AfD Wähler.
Werner Deck: Ich halte fest: Auch im zweiten Anlauf können oder wollen Sie meine zwei konkreten Fragen zu Ihrer persönlichen Lebenssituation und den realen Wirtschaftskonsequenzen einer AfD-Beteiligung nicht beantworten. Stattdessen flüchten Sie sich in das klassische, populistische Narrativ der AfD, arbeiten sich an altbekannten Feindbildern ab (Migranten, Bürgergeldempfänger, Ukraine-Unterstützung) und bedienen am Ende sogar die kremltreue Rhetorik von den angeblichen „Kriegstreibern“ in Berlin und einem „faschistischen Regime“ in Kiew.
Damit ist eigentlich alles gesagt. Wer ernsthaft glaubt, dass eine Partei, die vom Verfassungsschutz in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, die den Austritt aus der EU (Dexit) fordert und deren Spitzenpersonal offen mit völkischem Gedankengut sympathisiert, eine „unbelastete“ Alternative für den wirtschaftlichen Mittelstand sei, ignoriert die Realität. Eine Regierungsverantwortung dieser Partei wäre kein wirtschaftlicher Aufschwung, sondern das sichere Rezept für Isolation, den finalen Kollaps unseres Fachkräftemarktes und den Ruin unseres Wirtschaftsstandortes. Das darf niemals passieren.
Da Sie keine greifbaren Antworten auf meine Fragen haben und wir uns beim Abspulen von Parteiparolen im Kreis drehen, ist diese Diskussion für mich an dieser Stelle beendet.
Alles Gute für Sie.
Ein Unternehmer antwortet: Vielen Dank für Ihren umfangreichen (linientreuen) und auch in diesem Sinne oft und gerne von der Politik, die Sachlage in Deutschland beschreibenden Kommentar. Leider scheinen Sie für das, was in den letzten 21 Jahren an Politik „abgeliefert“ wurde und welche Folgen sie bescherte, betriebsblind zu sein. Daß die Ukraine und deren Regime in höchstem Maße korrupt und in Teilen faschistisch ist, ist belegt (aber nicht durch russische Propaganda). Und eine Regierung, die einer „Bundeswehr“ vorsteht, die, was ja des öfteren bereits öffentlich gemacht wurde, im Ernstfall kaum handlungsfähig ist, bezeichne ich als unfähig und größenwahnsinnig, wenn sie sich mit Phrasen wie „kriegstüchtig werden, Rußland wird immer unser Feind sein“ und mit Themen, die unverhohlen einen Krieg gegen Rußland geschichtsvergessen, zum Inhalt haben. Ach ja, meine Abgaben an CO2 Steuer betrachte ich als solche, die meine Lebenssituation negativ direkt betreffen. Die AfD will sie, bürgerfreundlich, abschaffen. Noch ein schönes Wochenende für Sie.
AfD Argumente Realitätscheck. Das Muster liegt offen zutage: Berechtigte Sorgen eines Unternehmers um Steuern und Energiekosten werden nahtlos in einen emotionalen Wunschzettel verwandelt. Konfrontiert man diesen Wunschzettel dann mit den harten Fakten renommierter Wirtschaftsinstitute – wie den gigantischen Haushaltslöchern, vor denen das DIW warnt, oder dem akuten Fachkraftmangel durch den AfD-Isolationskurs –, kollabiert das Kartenhaus.
Was bleibt, ist der Rückzug in die altbekannten Feindbilder. Wenn die Argumente für die eigene Tasche fehlen, müssen eben Migranten, das Bürgergeld oder die Außenpolitik als Nebelkerzen herhalten. Am Ende bleibt auf die Frage nach der konkreten, persönlichen Verbesserung nur das Prinzip Hoffnung – und die aggressive Abwertung des Gegenübers als „linientreu“ oder „betriebsblind“.
Mein Fazit: Wer eine Partei wählen will, die den Wirtschaftsstandort Deutschland isolieren und den Mittelstand ins Mark treffen würde, darf das in einer Demokratie tun. Aber man sollte den Mut haben, zuzugeben: Konkrete, faktenbasierte Antworten auf die Zukunft unseres Landes hat dieses Projekt nicht. Es lebt ausschließlich vom Protest – und dem lauten Schweigen, wenn es um reale Lösungen geht. 😡
AfD Argumente Realitätscheck. Ein Blick in das Wahlprogramm der AfD-Bundespartei zur Bundestagswahl 2025 zeigt, dass es keine gute Idee ist, die AfD zu wählen.