Warum ich jetzt einen Organspendeausweis habe – und warum Sie sich auch einen besorgen sollten.
Organspende im Alter. Vor wenigen Tagen war wieder Tag der Organspende. Für mich ist das ein guter Anlass, über ein Thema zu schreiben, von dem ich lange eine falsche Annahme hatte.
Seit wenigen Wochen habe ich einen Organspendeausweis. Das mag zunächst unspektakulär klingen, doch tatsächlich war das für mich eine kleine Kurskorrektur. Denn bisher war ich fest davon überzeugt, dass mein Körper in meinem Alter für eine Organspende ohnehin nicht mehr infrage kommt. Diese Annahme stellte sich als Irrtum heraus.
Der eigentliche Auslöser war ein anderes Thema. Schon lange war es notwendig, meine Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung zu überprüfen und neu zu gestalten. Das letzte Mal hatte ich mich damit vor ungefähr zwanzig Jahren beschäftigt. Also nahm ich mir die Zeit, mich erneut intensiv mit diesen wichtigen Vorsorgedokumenten auseinanderzusetzen und zu überarbeiten. Dazu ließ ich mich ausführlich sowohl juristisch als auch medizinisch beraten.
Die Malteser bieten dazu umfassende, kostenfreie Broschüren und Vordrucke für Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung an. Diese Formulare können direkt über die Website heruntergeladen oder per Post angefordert werden. Neben den Formularen unterstützen die Malteser bei Bedarf auch mit individuellen Informationsgesprächen. Ich habe das gerne in Anspruch genommen.
Während des Gesprächs mit meiner Internistin kam auch die Frage der Organspende auf. Ich erklärte ihr meine bisherige Überzeugung, dass mein Alter eine Organspende ausschließt. Zu meiner Überraschung erfuhr ich, dass das Alter allein keineswegs entscheidend ist. Ob Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, wird immer individuell geprüft. Auch Menschen in höherem Alter können noch Leben retten oder die Lebensqualität anderer Menschen deutlich verbessern.
Diese Information hat meine Sicht auf das Thema grundlegend verändert. Noch am selben Tag besorgte ich mir einen Organspendeausweis.

Heute ist das erfreulich einfach. Den Organspendeausweis kann man im Organspende-Register kostenlos herunterladen oder als Plastikkarte im Scheckkartenformat bestellen. Zusätzlich habe ich meinen Willen zur Organspende auch im Organspende-Register hinterlegt. Damit ist meine Entscheidung eindeutig dokumentiert.
Schon vor längerer Zeit habe ich noch etwas anderes umgesetzt, das sich bereits als äußerst praktisch erwiesen hat. Für meine Medikamente ließ ich mir meine Medikamentenliste im Scheckkartenformat erstellen. Wer regelmäßig Ärzte aufsucht oder schon einmal im Krankenhaus war, kennt die Frage nach den aktuell eingenommenen Medikamenten. Im Laufe der Jahre kommen einige Präparate zusammen, und ich konnte mir das nie zuverlässig merken.
Auf dieser kleinen Karte stehen deshalb nicht nur meine Medikamente, sondern auch wichtige Notfallinformationen. Dort ist vermerkt, wer im Ernstfall benachrichtigt werden soll, dass Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung existieren und wer dafür bevollmächtigt ist.
Organspendeausweis und Medikamentenkarte trage ich stets bei mir. Beides findet problemlos Platz in meinem kleinen Geldbeutel von Clip. Dieser ist kaum größer als eine Scheckkarte, bietet Platz für viele Karten, gefaltete Geldscheine, besitzt ein separates Münzfach und passt bequem in die vordere Hosentasche.

Von allen genannten Dokumenten habe ich selbstverständlich auch digitale Fotos auf meinem Smartphone gespeichert. So habe ich die wichtigsten Informationen immer griffbereit.
Die Beschäftigung mit dem Thema hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, eigene Annahmen gelegentlich zu hinterfragen. Hätte ich nicht das Gespräch mit meiner Internistin geführt, würde ich vermutlich heute noch glauben, für eine Organspende zu alt zu sein.
Deshalb meine Bitte an alle Leserinnen und Leser: Informiert Euch über das Thema Organspende. Sprecht mit Euren Ärzten, informiert Eure Angehörigen und trefft eine bewusste Entscheidung. Ob man sich für oder gegen eine Organspende entscheidet, sollte jeder selbst bestimmen. Wichtig ist vor allem, dass die Entscheidung überhaupt getroffen und dokumentiert wird.
Vielleicht rettet sie eines Tages einem anderen Menschen das Leben.