Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 10 – Lyon

Freitag, 22. August 2025. Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 9 – Tournon


Samstag, 23. August 2025. Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 10. Am Ausgangspunkt unserer Flusskreuzfahrt, in Lyon, sind wir heute Morgen aufgewacht. Unser Schiff, die A-Rosa Stella, lag in unmittelbarer Nähe der Brücke Pont de l’Université. Wie schon während der ganzen Reise empfing uns strahlender Sonnenschein.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg, denn ich wollte die auf dem Hügel gelegene Basilika besuchen. Dazu mussten wir die Rhône über die Pont de l’Université überqueren. Von der anderen Uferseite konnte man gut unser Schiff am Ufer liegen sehen.

Auf dem weiteren Weg zur Saône kamen wir an einem Laden vorbei, der den Namen Brigand trägt. Ich fand das witzig, denn „Brigand“ ist die mundartliche Bezeichnung für einen Ur-Karlsruher. Der Spitzname geht auf die Gründungszeit Karlsruhes (1725) zurück und bezog sich ursprünglich auf italienische Gastarbeiter, die „Brigantis“ genannt wurden. Im Dialekt wandelte sich der Begriff zu „Brigand“ – heute noch gebräuchlich für alle Karlsruher.

Dabei passierten wir auch die Kirche Saint-Georges. Leider war sie geschlossen, sodass wir das Innere nicht besichtigen konnten. Die Kirche hat ihre Wurzeln im 6. Jahrhundert, als Bischof Sacerdos eine erste Kapelle errichten ließ. Nach Zerstörungen im 8. Jahrhundert wurde sie um 802 neu aufgebaut und dem Heiligen Georg geweiht. Im Mittelalter war sie eng mit dem Hospitaliterorden verbunden, später verfiel sie während der Französischen Revolution. Zwischen 1844 und 1848 entstand schließlich der heutige neugotische Bau. Heute ist Saint-Georges denkmalgeschützt und prägt das Bild von Vieux Lyon.

Der steile Aufstieg mit den vielen Treppen zum Hügel war für Rita zu beschwerlich, sodass ich mich alleine auf den Weg machte. Schon ziemlich weit oben stieß ich auf eine Station der Standseilbahn, die ich spontan nahm – allerdings ging die nicht zur zur Basilika, sondern zum Amphitheater Théâtre Gallo-Romain. Kein Schaden, denn von dort oben bot sich ein wunderbarer Überblick über Lyon.

Das Amphitheater der Drei Gallien in Lyon, erbaut um 19 n. Chr., war Teil des römischen Kultzentrums „Sanctuaire fédéral des Trois Gaules“ und diente Versammlungen der gallischen Stämme. Ursprünglich für rund 1.800 Besucher errichtet, wurde es im 2. Jahrhundert auf etwa 20.000 Plätze erweitert. Berühmt wurde es auch durch die Christenverfolgungen von 177 n. Chr., bei denen unter anderem die Heiligen Blandina und Pothin gemartert wurden. Nach dem Verfall im Mittelalter wurde das Amphitheater ab dem 19. Jahrhundert archäologisch freigelegt.

Vom Amphitheater aus führte mich der Weg schließlich zur Basilika Notre-Dame de Fourvière, einem imposanten Bauwerk voller Pracht und Prunk. Die Basilika wurde zwischen 1872 und 1896 auf den Überresten eines alten Wallfahrtsortes errichtet. Sie vereint Elemente der romanischen, gotischen und byzantinischen Architektur, geprägt von vier markanten Türmen, mehreren Kuppeln, reich verzierten Innenräumen mit Mosaiken, Glasfenstern sowie Materialien wie Marmor und Onyx. Von hier oben hat man einen spektakulären Blick über Lyon. 

Die Wahlfahrttradition ist bedeutend: Bereits 1643 gelobten die Stadtoberen eine jährliche Dankprozession zur Kapelle auf Fourvière, als Lyon von der Pest verschont blieb – eine Tradition, die bis heute fortbesteht.

Nach der Besichtigung der Basilika fuhr ich mit der Standseilbahn „La Ficelle“ wieder hinunter in die Altstadt. Die Standseilbahn, eröffnet am 6. September 1900, verband die Altstadt mit dem Fourvière-Hügel und zählt zu den ersten urbanen Standseilbahnen weltweit. Sie ist ein historisches Wahrzeichen Lyons und zugleich praktisches Verkehrsmittel.

An der Talstation angelangt, besuchte ich die Kathedrale Saint-Jean-Baptiste. Sie wurde zwischen 1180 und 1480 erbaut und vereint romanische und gotische Stile. Errichtet auf den Überresten einer frühchristlichen Kirche aus dem 6. Jahrhundert, ist sie dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht. Im Jahr 1079 verlieh Papst Gregor VII. dem Erzbistum Lyon den Ehrentitel „Primat von Gallien“, wodurch die Kathedrale den Status einer Primatialkirche erhielt. Bedeutende Ereignisse fanden hier statt, darunter das Erste und Zweite Konzil von Lyon (1245, 1274) sowie die Wahl von Papst Johannes XXII. im Jahr 1316.

Besonders sehenswert ist die astronomische Uhr aus dem 14. Jahrhundert, die bis heute funktioniert. Mehrmals täglich zeigt sie ein Glockenspiel mit Figuren, die die Verkündigung Mariens durch den Erzengel Gabriel darstellen.

Anschließend traf ich mich mit Rita wieder an der Brücke über die Saône. Auf dem Weg dorthin bot sich mir noch einmal ein Blick auf die vielfältigen Sehenswürdigkeiten. Rita hatte in der Nähe geshoppt, und wir telefonierten uns zusammen.

Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 10. Später genossen wir bei strahlendem Sonnenschein unseren letzten Abend auf der A-Rosa Stella. Am nächsten Morgen um kurz nach 7 Uhr stand das Auschecken an. Damit endete eine sehr schöne, intensive und erlebnisreiche Flusskreuzfahrt voller unvergesslicher Eindrücke. 

Morgen fahren wir mit dem Auto über Orange nach Grasse, an die Côte d’Azur. 


Sonntag, 24. August 2025. Reise Lyon – Côte d’Azur mit dem Auto, Teil 1: Von Lyon nach Orange

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