Mittwoch, 20. August 2025. Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 7 – Port-Saint-Louis
Donnerstag, 21. August 2025. Aufgewacht sind wir heute Morgen in Avignon. Wie so oft war ich schon früh auf den Beinen und habe mir vom Schiffsdeck aus die Silhouette der Stadt angesehen – ein vielversprechender Start in den Tag, zumal der Wetterbericht strahlenden Sonnenschein verhieß. Beste Voraussetzungen also für einen ausgedehnten Stadtbummel.
Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 8 – Avignon
Avignon ist vor allem für seine Rolle im 14. Jahrhundert bekannt, als sie Sitz des Papsttums wurde. Zwischen 1309 und 1377 residierten hier sieben Päpste, was der Stadt einen enormen politischen und kulturellen Aufschwung brachte. Umgeben von gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern, entwickelte sich Avignon zu einem Zentrum für Kunst, Handel und Religion. Heute ist Avignon UNESCO-Weltkulturerbe und ein bedeutender kultureller Anziehungspunkt, unter anderem durch das jährliche Theaterfestival „Festival d’Avignon“.
Nach dem Frühstück verweilten wir noch kurz auf dem Sonnendeck, geschützt im Schatten. Von hier aus bot sich ein beeindruckender Blick: die gewaltige Stadtmauer, der mächtige Papstpalast und die Basilika Métropolitaine Notre-Dame des Doms. Diese Kulisse weckte unsere Vorfreude auf den Besuch. Der Weg in die Altstadt war nicht weit, und schon bald standen wir vor der berühmten Brücke Pont Saint-Bénézet. Berühmt wurde die Brücke auch durch das französische Volkslied „Sur le pont d’Avignon“.
Die Brücke Pont Saint-Bénézet wurde der Legende nach im 12. Jahrhundert vom Hirtenjungen Bénézet auf göttlichen Auftrag hin errichtet. Ursprünglich verband sie Avignon mit Villeneuve-lès-Avignon und überspannte die Rhône mit 22 Bögen. Mehrfach von Hochwassern beschädigt, wurde sie im 17. Jahrhundert aufgegeben; heute sind nur noch vier Bögen erhalten.
Der Papstpalast („Palais des Papes“) wurde zwischen 1335 und 1352 erbaut und ist eines der größten gotischen Bauwerke Europas. Er diente als offizielle Residenz der Päpste während des Avignoner Papsttums. Der Bau vereint eine militärische Festung mit einem prunkvollen Palast und umfasst mehrere Kapellen, große Empfangssäle und private Gemächer. Nach der Rückkehr des Papsttums nach Rom wurde der Palast zeitweise als Festung und Garnison genutzt. Heute ist er eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs.
Die Kathedrale Notre-Dame des Doms wurde im 12. Jahrhundert im romanischen Stil errichtet und liegt direkt neben dem Papstpalast. Sie war während des Avignoner Papsttums eine bedeutende kirchliche Stätte und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und restauriert. Auffällig ist die große goldene Statue der Jungfrau Maria, die seit dem 19. Jahrhundert auf dem Glockenturm thront. Im Inneren befinden sich prächtige Fresken, Grabmäler und ein reich verzierter Altar.
Das Hôtel des Monnaies am Place de l’Horloge wurde 1619 unter Papst Paul V. als Münzprägestätte errichtet. Das prächtige Barockgebäude diente bis ins 18. Jahrhundert der Herstellung päpstlicher Münzen. Besonders markant ist die reich verzierte Fassade mit Adlern und päpstlichen Wappen, die noch heute von der einstigen Bedeutung des Baus zeugen.
Rita bekam vom vielen Gehen müde Beine, und so machte ich mich alleine auf den Weg zum Rocher des Doms. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir diese Tour oder Tortour sparen können. Auf der Karte war mein Ziel klar markiert, doch immer wieder traf ich auf Absperrungen. So irrte ich mit meinen Arthrose-Knien herum, schleppte mich 172 Stufen hinauf, nur um erneut vor Absperrungen zu stehen – und die gleiche Anzahl Stufen wieder hinunterzusteigen. Eine wahre Odyssee, die meine Gelenke nicht sonderlich schätzten.
Der Rocher des Doms ist ein Felsen oberhalb der Rhône, auf dem sich die Ursprünge der Stadt Avignon befinden. Hier siedelten bereits in der Antike Menschen, und im Mittelalter diente der Felsen als strategischer Verteidigungspunkt. Heute ist er ein öffentlicher Park mit herrlichem Blick auf die Rhône, die Pont Saint-Bénézet und die umliegende Landschaft, wenn man ganz hochkommt 🫣. Der Rocher des Doms grenzt direkt an den Papstpalast und ist ein beliebter Erholungsort für Einheimische und Besucher.
Auch wenn die Stadtbesichtigung insgesamt recht anstrengend war, hat Avignon uns nachhaltig beeindruckt. Auf dem Rückweg zum Schiff lockte noch das große Riesenrad direkt am Ufer. Natürlich stiegen wir ein. Von ganz oben bot sich ein herrlicher Rundumblick über die Dächer der Stadt, den Papstpalast und die weite Landschaft drumherum. Gelegenheit für schöne Fotos von oben und ein perfekter Abschluss des Nachmittags.
Auf unserem weiteren Weg entdeckten wir noch das Monument du Contact, ein imposantes Kunstwerk, bevor wir schließlich wieder an Bord gingen. Das Monument du Comtat in Avignon wurde 1891 zu Ehren des 100-jährigen Jubiläums der Eingliederung von Avignon und des Comtat Venaissin in die Französische Republik errichtet. Diese Region war zuvor von 1274 bis 1791 Teil der päpstlichen Staaten. Das Monument zeigt eine allegorische Darstellung der Marianne, die die französische Republik symbolisiert, sowie einen Löwen, der die Verbindung zur ehemaligen päpstlichen Herrschaft repräsentiert.
Nach einem abwechslungsreichen Abendessen ließen wir den Tag auf dem Sonnendeck ausklingen. In der lauen Sommernacht, kurz vor 21 Uhr, hieß es erneut „Leinen los“. Langsam glitt die A-Rosa Stella über die Rhône in Richtung unseres nächsten Ziels Tournon. Vom Schiff aus bot sich uns ein letzter Blick auf die im Abendlicht erstrahlende Silhouette von Avignon – ein unvergesslicher Anblick.
Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 8 – Avignon
Ein stimmungsvoller Abschied aus Avignon
Samstag, 23. August 2025. Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 9 – Tournon
