Dienstag, 19. August 2025. Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 6 – geschichtsträchtiges Arles. Nach unserem gestrigen Beginn in Viviers, fuhr unser Schiff durch die Nacht und wir wachten gut gelaunt in Arles auf. Unser Schiff hatte direkt unterhalb der Reste der Löwenbrücke (Pont des Lions) festgemacht. Wie für jeden Ort unserer Flussreise hatte ich auch für Arles einen Plan der Sehenswürdigkeiten ausgearbeitet, die wir fußläufig besichtigen wollen. Nach einem stärkenden Frühstück machten wir uns auf den Weg.
Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 6 – geschichtsträchtiges Arles
🏛️ Arles – Geschichte einer bedeutenden Stadt am Rhôneknie. Arles blickt auf eine über 2500-jährige Geschichte zurück. Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. war die Stadt als keltisch-ligurische Siedlung Arelate bekannt. Ihren Aufstieg begann Arles jedoch mit der römischen Eroberung im Jahr 123 v. Chr., als die Stadt strategisch günstig am Rhôneknie und unweit des Mittelmeers lag – ein Knotenpunkt für Handel, Heerstraßen und Flussschifffahrt.
Im Jahr 46 v. Chr. wurde Arles von Julius Cäsar zur römischen Kolonie „Colonia Julia Paterna Arelate Sextanorum“ erhoben – als Dank für die Unterstützung gegen Marseille im Bürgerkrieg. In der Kaiserzeit entwickelte sich Arles zu einem der wichtigsten urbanen Zentren Galliens mit über 30.000 Einwohnern. Viele imposante Bauwerke zeugen bis heute von dieser Blütezeit.
Nach dem Zerfall des Römischen Reichs blieb Arles ein bedeutendes Zentrum. Im 5. Jahrhundert wurde es kurzzeitig Hauptstadt des Königreichs Burgund, später des Königreichs Arles, das im 11. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich aufging. Im Mittelalter war Arles ein kirchliches Zentrum mit eigenen Konzilen und eine wichtige Station auf dem Jakobsweg. Im 19. Jahrhundert erlebte Arles durch die Ankunft der Eisenbahn und die künstlerische Avantgarde – insbesondere durch Vincent van Gogh – eine neue kulturelle Bedeutung.
Heute ist Arles UNESCO-Weltkulturerbe (seit 1981) und fasziniert durch sein römisch-gotisches Stadtbild, seine bedeutenden Museen sowie das Zusammenspiel von Antike, Mittelalter und moderner Kunst.
Unser erster Besichtigungsort,🛁 die Thermen des Konstantin (Thermes de Constantin). Die Thermen entstanden im 4. Jahrhundert n. Chr. während der Regierungszeit des Kaisers Konstantin I. und gehörten zu einer kaiserlichen Palastanlage am Ufer der Rhône. Erhalten sind heute beeindruckende Reste des Caldariums (Heißbad), darunter Tonnengewölbe und Fußbodenheizung. Die Thermen zeugen von der hohen Lebensqualität in der spätrömischen Stadt.
Weiter schlenderten wir zum🏛️ Place du Forum mit dem🎨 Café Van Gogh. Der Place du Forum ist das historische Zentrum der römischen Stadt Arelate. An seiner Stelle befand sich einst das Forum – politisches, wirtschaftliches und religiöses Herz der Stadt. Heute sind noch Reste von Säulen des römischen Tempels erhalten, die in eine Hausfassade integriert sind. Hier steht auch die Statue des französischen Schriftstellers Joseph Étienne Frédéric Mistral (1830 – 1914). 1904 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Das heutige „Café Van Gogh“ wurde durch Vincent van Goghs Gemälde „Caféterrasse am Abend“ (1888) weltberühmt. Es befindet sich am Place du Forum und wurde restauriert, um der Darstellung auf dem Gemälde zu ähneln. Van Gogh malte hier während seines Aufenthalts in Arles, wo er einige seiner bekanntesten Werke schuf.
Nur einen Steinwurf weit entfernt, ist der Platz der Republik. Die Place de la République in Arles ist einer der geschichtsträchtigsten Plätze der Stadt. Im Mittelpunkt steht der Obelisk, der ursprünglich im 4. Jahrhundert im römischen Zirkus von Arles errichtet wurde. Nachdem er im Laufe der Jahrhunderte umgestürzt und in Vergessenheit geraten war, wurde er 1676 wiederentdeckt und auf dem neu gestalteten Platz, damals Place Royale genannt, aufgestellt. Mit Sockel und Brunnenanlage misst er fast zwanzig Meter und bildet seither das markante Wahrzeichen des Platzes. Der Obelisk ist Teil des UNESCO-Welterbes „Arles, romanische und römische Monumente“ und erinnert eindrucksvoll an die lange Geschichte der Stadt.
Rund um den Platz der Republik stehen bedeutende Bauwerke aus verschiedenen Epochen. Besonders ins Auge fällt das Hôtel de Ville, das Rathaus von Arles, das im 17. Jahrhundert im klassizistischen Stil erbaut wurde. Sein repräsentatives Portal und die kunstvoll gestalteten Innenräume spiegeln den Machtanspruch der damaligen Zeit wider.
Im Rathaus von Arles erinnert eine Gedenkstätte an die dunklen Jahre der Besatzung. In den Kellerräumen wurden Menschen, die zur Deportation bestimmt waren, in Zellen festgehalten. Heute erinnern Tafeln an den lokalen Widerstand und an Persönlichkeiten wie den früheren Bürgermeister Joseph Imbert, der für seinen Mut im Kampf gegen die nationalsozialistische Unterdrückung mit dem Leben bezahlte.
An der Nordseite des Platzes liegt die ehemalige Kirche Sainte-Anne, die um 1630 neu errichtet wurde. Nach der Französischen Revolution verlor sie ihre sakrale Funktion und wird heute als Ausstellungsraum genutzt.
🎭 Römisches Theater (Théâtre Antique). Errichtet unter Kaiser Augustus im 1. Jahrhundert v. Chr., war das antike Theater einst eines der bedeutendsten Galliens. Es fasste etwa 10.000 Zuschauer und war reich mit Statuen und Marmorausstattung verziert – darunter die berühmte „Venus von Arles“. Während des Mittelalters diente es als Steinbruch. Heute wird es wieder für kulturelle Veranstaltungen genutzt und vermittelt einen lebendigen Eindruck römischer Unterhaltungskultur.
🏛️ Amphitheater (Arènes d’Arles). Das römische Amphitheater von Arles wurde um 90 n. Chr. unter Kaiser Domitian erbaut und bot Platz für rund 20.000 Zuschauer. Es diente einst Gladiatorenkämpfen und Tierhetzen, später auch als befestigte Siedlung mit Wohnhäusern und Kapellen. Im 19. Jahrhundert wurden diese entfernt und das Amphitheater restauriert. Heute ist es ein beeindruckendes Zeugnis römischer Baukunst und Schauplatz von Konzerten, Theater und Stierkämpfen. Die Schlange am Eingang war mir zu lang und ich verzichtete auf die Innenbesichtigung.
⚰️ Alyscamps – die antike Totenstraße. Die Alyscamps sind eine römische Nekropole, die außerhalb der Stadtmauer entlang der Via Aurelia entstand. Der Name leitet sich vom lateinischen „Elysii Campi“ („Felder der Seligen“) ab. Im Mittelalter wurde sie ein bedeutender christlicher Bestattungsort, unter anderem für Bischöfe von Arles. Vincent van Gogh und Paul Gauguin verewigten die Totenstraße in ihren Gemälden.
Nach dem Abendessen sorgte auf dem Sonnendeck ein französischer Sänger, der zugleich ein begnadeter Trompeter war, für Stimmung. Doch später machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung – Regen setzte ein, und die Veranstaltung musste in die Lounge verlegt werden. Wir selbst zogen uns lieber in unsere Kabine zurück. Irgendwann in der Nacht legte unser Schiff im Hafen von Port Saint Louis an.
Mittwoch, 20. August. Flussreise Lyon Mittelmeer Etappe 7 – Ankunft in Port-Saint-Louis