Zwischen Linie und Skulptur – Vernissage bei Pavel Miguel in Karlsruhe. „Embryonen der Kunst“
Vernissage Pavel Miguel Karlsruhe. Am 14. März waren Rita und ich zur Vernissage der Frühlingsausstellung unseres Freundes Pavel Miguel eingeladen. Schon beim Betreten der Galerie spürte man sofort diese besondere Atmosphäre, die eine Ausstellungseröffnung ausmacht: gespannte Erwartung, neugierige Blicke auf neue Werke – und natürlich viele bekannte Gesichter.
Wir trafen alte Freunde und Weggefährten, kamen ins Gespräch über Pavels Kunst, über gemeinsame Erlebnisse aus früheren Jahren und über alles, was das Leben gerade so mit sich bringt. Genau diese Mischung aus Kunst, Begegnung und lebendigem Austausch macht für mich den besonderen Reiz einer Vernissage aus. Meine Schnappschüsse des Abends sind in der Reihenfolge ihres Entstehens. Im Artikel eingestreut in mehreren Blöcken, nicht unbedingt chronologisch zum Text.
Kunst im Spannungsfeld zwischen Idee und Form
Die diesjährige Ausstellung bewegt sich bewusst im Zwischenraum von Idee und Form. Pavel Miguel zeigte zahlreiche neue Arbeiten, in denen sich Zeichnung und Skulptur auf faszinierende Weise begegnen. Besonders spannend war dabei zu beobachten, wie sich die Werke gegenseitig beeinflussen. Skulpturen und Zeichnungen stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern treten in einen fortlaufenden Dialog.
In den Zeichnungen – meist in Schwarz-Weiß mit Tinte und Kohle ausgeführt – erscheinen menschliche Profile, tierische Ansichten und kubische Strukturen. Sie wirken wie Momentaufnahmen eines kreativen Prozesses, ein fragiler Zustand des Werdens, aus dem später plastische Formen entstehen können.
So zeigte Pavel Miguel eindrucksvoll den Weg vom Zwei- zum Dreidimensionalen – von der Linie zur Skulptur. Und manchmal auch den umgekehrten Weg: von der plastischen Form zurück zur zeichnerischen Idee.
Eine Vernissage mit Charme und Humor
Eröffnet wurde der Abend mit einer launigen Begrüßung durch Anton Goll, der die Gäste mit viel Charme auf die Ausstellung einstimmte. Die anschließende Einführung hielt Peter Reuter, Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und Herausgeber der Kunst- und Literaturzeitschrift Literatur Fetzen. In seiner ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Rede nahm er das Publikum mit auf eine kleine Reise durch Pavels künstlerisches Denken und Arbeiten.
Begegnungen und Gespräche
Natürlich gehört zu einer Vernissage auch das, was zwischen den Bildern passiert: Begegnungen, Gespräche und spontane Gedanken über Kunst und Leben. Die Besucher nutzten die Gelegenheit, sich die neuen Arbeiten in Ruhe anzusehen, mit Pavel ins Gespräch zu kommen oder einfach die besondere Stimmung des Abends zu genießen.
Für uns war es wieder einmal ein inspirierender Abend voller Kunst, Erinnerungen und guter Gespräche. Und einmal mehr wurde mir bewusst, wie sehr Pavel Miguel mit seiner Kunst Räume schafft – Räume für Gedanken, für Begegnungen und für neue Perspektiven.
Mit seinem Werk „All That I Need to Know“ (Alles, was ich wissen muss) wurde Pavel Miguel zur Biennale de Montreux 2025 eingeladen. Seine eindrucksvolle Skulptur steht an der berühmten Seepromenade von Montreux – eine monumentale Hommage an das Lesen und an die bleibende Kraft von Büchern.

