Jagdschloss Bellin – Ein Ort voller Geschichte & Atmosphäre

Salon im EG Jagdschloss Bellin

Auf unserer Seenplatte-Tour übernachteten wir am Dienstag, 24. Juni 2025 im Jagdschloss Bellin. Das Jagdschloss Bellin beeindruckte mich mit seiner neobarocken Architektur und seiner faszinierenden Geschichte, die eng mit der Familie Sloman verbunden ist.

Schon die Zufahrt zum Jagdschloss Bellin – im leichten Regen und durch eine alte Allee – hatte etwas Magisches. Links und rechts der Mittelachse lagen gepflegte Rasenflächen, doch gleich am Beginn fiel mein Blick auf ein verfallenes Wirtschaftsgebäude: eingeschlagene Fensterscheiben, bröckelndes Mauerwerk. Wahrscheinlich waren das früher Stallungen oder Speicher für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Ein zweites, ebenso zerfallendes Gebäude säumte wenig später den Weg. Und dann, am Ende der dunklen, beinahe verwunschenen Allee, trat es aus dem Schatten hervor – das Jagdschloss Bellin. Majestätisch, ruhig, fast ehrfürchtig. Ich war augenblicklich gepackt.

Und meine Faszination wuchs weiter, als wir das Schloss betraten. Gedämpftes Licht, gediegene Farben, ein Hauch von Geschichte. Die Eingangshalle empfing uns mit einer vornehmen, warmen Atmosphäre. Die rot-braunen Farbtöne, das hohe Gewölbe und die Stille des Hauses wirkten beruhigend und gleichzeitig eindrucksvoll. Ich war sofort begeistert – auf eine leise, tiefe Weise.

Die Schlossbesitzerin Angelika Sloman empfing uns mit herzlicher Freundlichkeit – ganz im Einklang mit der Atmosphäre des Hauses. Noch bevor wir unsere Apartments bezogen, lud sie uns im Wintergarten auf der Rückseite des Schlosses zu einem frisch gezapften Lübzer Pils ein. Der Blick in den weitläufigen Schlosspark tat gut. Die Anstrengungen der Tagesetappe fielen langsam von uns ab, während wir dort saßen – ganz ruhig, fast andächtig.

Etwas später trugen wir unsere Packtaschen in die großzügigen Apartments. Die hohen Räume, der Blick über den Park und zu den kleinen Seen: genau so stellt man sich das Wohnen in einem Schloss vor. Stilvoll, ruhig, einfach stimmig.

Beim Abendessen im großzügigen Speisesaal kamen wir mit Frau Sloman ins Gespräch. Offen, interessiert und mit spürbarem Stolz erzählte sie von der bewegten Geschichte des Jagdschlosses – und von ihrer Familie. Ein spannender Einblick, der diesen Ort noch lebendiger machte.

Im Speisezimmer entdeckte ich einen alten Bücherschrank, in dem mehrere Werke über das Jagdschloss und die Familie Sloman standen. Einige davon aus der Feder von Angelika Sloman. Neugierig nahm ich die verschiedenen Bücher zur Hand und begann darin zu blättern – ein weiterer stiller Moment voller Geschichte.

Familie Sloman und ihre Bedeutung

Die Kaufmannsfamilie Sloman gehört zu den bedeutendsten hanseatischen Unternehmerdynastien Hamburgs. William Sloman kam 1791 als englischer Kapitän nach Hamburg. Sein Sohn Robert Miles Sloman (1783–1867) gründete Hamburgs größte Reederei. Ein Nachfahre, Henry Brarens Sloman (1848–1931), investierte in Salpeterminen in Chile sowie in Minenunternehmen in Deutsch-Südwestafrika (Namibia). 1911/12 ließ er das Jagdschloss Bellin errichten. Die Familie war eng mit globalen Handels- und Kolonialstrukturen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verbunden.

🏰 Geschichte des Jagdschloss Bellin

Bauher von Jagdschloss Bellin Henry Brarens Sloman
Henry Brarens Sloman

Das heutige Jagdschloss Bellin wurde 1911–1912 im neobarocken Stil auf den Grundmauern eines älteren Herrenhauses errichtet. Bauherr war der Hamburger Kaufmann und Salpeterunternehmer Henry Brarens Sloman (1848–1931), der sich mit dem Schloss einen repräsentativen Landsitz in Mecklenburg schuf. Die Entwürfe stammten vom renommierten Architekten Paul Korff, der in der Region mehrere bedeutende Bauten realisierte.

Während der Zeit der DDR wurde das Schloss unterschiedlich genutzt – unter anderem als Kinderheim für namibische Kinder, Schule und später als Parteischule. Der historische Bau überstand diese Phase teilweise vernachlässigt, aber strukturell intakt.

Buch über die namibischen Flüchtlingskinder im Jagdschloss Bellin
Das Buch über die namibischen Flüchtlingskinder im Jagdschloss Bellin

1997 kehrte das Schloss in den Besitz der Familie Sloman zurück, wurde sorgfältig restauriert und liebevoll als Hotel und Veranstaltungsort neu belebt. Seither empfängt das Anwesen wieder Gäste – mit einem ganz eigenen Charme zwischen Geschichte und persönlicher Gastfreundschaft.

🏛️ Das Chilehaus in Hamburg – Sloman’s architektonisches Erbe

Das Chilehaus, ein wegweisendes Zeichen des Backsteinexpressionismus, wurde zwischen 1922 und 1924 nach Plänen von Fritz Höger errichtet. Bauherr war Henry Brarens Sloman (1848–1931), der sein Vermögen durch den Salpeterhandel in Chile erworben hatte.

Das markante Kontorhaus mit spitz zulaufender Fassade – einem stilisierten Schiffsbug nachempfunden – steht auf zehn Geschossen und einer Fläche von rund 6.000 m². Ganze 36.000 m² Bruttogeschossfläche auf Pfeilern, errichtet mit über 4,8 Millionen Klinker. Als architektonisches Highlight gilt insbesondere der Klinkerfassaden-Wechsel aus außergewöhnlichem Ton, dekoriert mit einem Kondor-Motiv – eine Hommage an Slomans chilenische Wurzeln.

Seit 1983 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, und 2015 wurde es in das UNESCO-Welterbe „Speicherstadt und Kontorhausviertel“ aufgenommen. 

Heute dient das Chilehaus als Büro- und Geschäftshaus und symbolisiert durch seine eindrucksvolle Architektur und Baugeschichte die Verbindung zwischen Hamburg und Südamerika – ein steinernes Erbe des wirtschaftlichen Aufstiegs der Sloman-Familie.

Der Aufenthalt im Jagdschloss Bellin war für mich weit mehr als nur eine Übernachtung. Architektur, Atmosphäre und die persönliche Begegnung mit der Gastgeberin Angelika Sloman haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein Ort mit Geschichte und Seele. 

Jagdschloss Bellin mit bewegter Geschichte bei Krakow

Schreibe einen Kommentar